Deutschland im Fußballwahnsinn - und ich mittendrin!

Kolumne
Vom 1. bis zum 10. Juni finden Sie hier jeden Tag eine kleine Nachhilfestunde in Sachen Fußball.
Eins ist jedenfalls klar: Herr Beck und ich sind zwar seit sechs Jahren verheiratet, aber ehrlich zählen kann man davon maximal die Hälfte. Der Rest ist ausgefallen. Wegen Fußball. Irgendeine Meisterschaft oder irgendein wichtiges Vorbereitungsspiel auf eine Meisterschaft findet ja immer statt. Seit ich Beck liebe, ist mein Leben eine einzige Abfolge von wichtigen Spielen.
Mit Grauen denke ich an den kommenden Monat. Bei der WM vor vier Jahren war ganz Deutschland im Wahn. Das wird dieses Mal nicht besser. Ich sehe es schon vor mir, beziehungsweise ich sehe nichts: Keine gemeinsamen Spaziergänge, keine gemeinsamen Restaurantbesuche, kein gemeinsamer Kinoabend. Es sei denn zum Viertelfinale ins Multiplexkino. Ich weiß, wovon ich spreche. Bei der letzten EM trat ich nach wochenlangem Abseits-Foul-Tor-Gebrüll in 120 Dezibel endgültig das Familienwohnzimmer an den Fußball ab.
Daraufhin schwitzte ich sehr einsam in ausgestorbenen Saunalandschaften, hing trotz perfekter Mähne beim Friseur herum und stromerte durch Geisterkaufhäuser bis die Blasen an meinen Füßen bluteten. Schließlich begann ich Jogi Löw zu hassen, wegen dem und seiner Maßanzüge ich meine beste Freundin schon bei der letzten WM an den Fußball verloren hatte.
Ob der Löw eigentlich weiß, was er und seine Maßanzüge Millionen bester Freundinnen angetan haben?!
In meiner Verzweiflung versuchte ich das Aussichtslose: Meinen Mann zu einem Zeitplan zu bewegen, in dem auch ich vorkomme. Nebst ein paar Fußball-Geschrächsfreien-Zonen. Zunächst präsentierte ich meinem leer dreinblickenden Gatten psychologisch vorbildliche Ich-Botschaften. Dann drohte ich damit, mir einen anderen Mann zu suchen. Herr Beck lachte sich fast weg: Den Kerl, der während der WM auf der Straße herumlungert, den sollte ich im aber mal zeigen!
Ich fürchte, er hat recht … Doch eins habe ich mir trotzdem geschworen: Noch so eine WM wie die letzte – nicht mit mir! Ich will ein Leben mit Herrn Beck. Bloß … Ohne Fußball wird das sicher nichts …
Ihre,
Marie Beck
P.S.: Alle Namen und sonstige Umstände wurden von der Redaktion geändert. Und überhaupt gibt es keinerlei Parallelen zum wahren Leben. Alles frei erfunden! Selbst die Kolumnistin.
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